MOVE Stand der Markteinführung

Mit Unterstützung des Senators für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung, Bremen läuft derzeit die Markteinführung des FahrgemeinschaftsService in der Stadt Bremen. In einem ersten Schritt wurden im Innnenstadtbereich - d.h. in der näheren Umgebung von Kraft Jacobs Suchard und BECK & CO - mit Ausnahme des Einzelhandels und der Behörden sämtliche größeren Arbeitgeber ab 200 Beschäftigten angesprochen.

Die Kontaktaufnahme erfolgt in der Regel persönlich per Telefon zur Vereinbarung eines Präsentationstermins. Überwiegend wird bei den Betrieben präsentiert. Zeitweilig wird auch ein fester Termin in einem zentral gelegenen Vortragssaal gewählt, zu dem dann mehrere Unternehmen eingeladen werden. Soweit möglich wird versucht, Geschäftsleitung und Betriebsräte gemeinsam oder in dichter zeitlicher Abfolge zu treffen.

Die Kampagne zu Einwerbung der betrieblichen Kunden für den FahrgemeinschaftService wird vom Büro für Verkehrsökologie (BVÖ) durchgeführt.

Parallel zu den direkten Betriebskontakten wird das neue Serviceangebot auch den Dienststellen der Bremer Verwaltung und den Wirtschaftskammern vorgestellt. Eine Pressekampagne ist für den Spätsommer geplant. Hierfür wird die Unterstützung durch die Handelskammer angestrebt.

Schwierig ist die Verhandlung mit einzelnen Teilen der Behörden, weil diese in Angelegenheiten der Personalpolitik keine Haushaltsautonomie haben. Insofern muß eine grundsätzliche Regelung mit der zuständigen "Senatskommission für das Personalwesen" gefunden werden, was aber allein deshalb nicht einfach ist, weil die einzelnen Behördenteile eine sehr unterschiedliche Größe und Struktur haben und räumlich weit verstreut sind. Ob eine einheitliche Regelung über die Teilnahme am FahrgemeinschaftsService mit Mobilitätsgarantie für alle 40.000 öffentlich Bediensteten gefunden werden kann, darf bezweifelt werden. Es gibt es derzeit die Situation, daß zwar einzelne Behörden großes Interesse am FahrgemeinschaftsService haben, aber (noch) keinen Weg sehen, den Service zu finanzieren.

Zur Absicherung werden Gespräche mit dem Bremer Landesbeauftragten für den Datenschutz geführt und Muster-Klärungen beim Arbeitsstättenfinanzamt zur Bewertung der Frage, ob das Engagement des Arbeitgebers als "geldwerter Vorteil" für den Beschäftigten zu werten ist oder nicht.

Ziel ist es im Verlauf des September 1998 mit dem Service konkret zu beginnen. Dazu soll zunächst ein Unternehmenspool mit insgesamt mindestens 6.000 Beschäftigten herausgebildet werden. Erst bei Erreichen dieser 'Kritischen Masse' können Erfolge in der Fahrgemeinschaftsvermittlung erwartet werden. Nach dem Verlauf der bisherigen Webekampagne nähert sich die Gesamtbeschäftigtenzahl der interessierten Betriebe dieser 'kritischen Masse' mit großen Schritten.

Parallel laufen Verhandlungen mit dem größten privaten Bremer Unternehmen (18.000 Beschäftige), der seinen Standort im Bremer Osten hat.

Das Feedback zu den eingesetzten Werbemitteln (Plakate, Flyer usw.) ist durchweg positiv. Einzig die Kostenpauschale für die Mobilitätsgarantie erweist sich in einzelnen Fällen als hohe Barriere. Eine positive Rolle spielt auch, daß FahrgemeinschaftsService bei den Unternehmen nicht als "Projekt" auftritt, sondern als langfristig angelegte privatwirtschaftliche Dienstleistung.

Ein Problem ergibt sich daraus, daß in einigen Betrieben von den Betriebsräten parallel die Einführung des Job-Tickets für die Beschäftigten auf die Tagesordnung gebracht wird. Wenngleich dies auch im Prinzip zu begrüßen ist (und genau den Intentionen des move - Projekts entspricht), so entstehen doch teilweise empfindliche Zeit- und Reibungs-Verluste. Im Zusammenhang mit dem Jobticket werden Beträge diskutiert, die beim Vielfachen der für den FahrgemeinschaftsService zu veanschlagenden Kosten liegen.

Einfacher wäre der Start des FahrgemeinschaftsService in pheripher gelegen Gewerbegebieten gewesen. Weil die erste Akquisitionsrunde im räumlichen Umfeld des Betriebs liegen mußte, der die Pilotanwendung gewagt hatte (Kraft Jacobs Suchard), hat es FahrgemeinschaftsService nun mit den Betrieben mit den besten ÖPNV-Anbindungen und den höchsten Anteilen an nichtmotorisiertem Verkehr in Bremen zu tun. Andererseits bestehen in der innerstädtischen Lage durchaus auch besondere Anreize für die Teilnahme an dem Fahrgemeinschaftsvermittlungssystem. Dies betrifft vor allem die extremen Grundstückskosten sowie den Flächenbedarf.

FahrgemeinschaftsService stößt jedenfalls in eine bestehende Lücke. Die Gespräche in den Betrieben bestätigen dies in aller Deutlichkeit. Insofern besteht die berechtigte Hoffnung, daß dich der Service mittelfristig wirtschaftlich selbst tragen kann.