Projekt Überblick |
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Im Frühjahr 1995 wurde der operative
Teil des Projektes move gemeinsam mit dem Betrieb
Kraft Jacobs Suchard sowie den Projektpartnern StadtAuto Bremen
und Büro für Verkehrsökologie entsprechend des
im Dezember 1994 zugestellten Bewilligungsbescheides vorbereitet.
Um die Umweltbelastungen durch den Berufsverkehr zu vermindern,
sollte ein Paket an Maßnahmen zunächst bei dem Pilotbetrieb,
später davon ausstrahlend auch bei anderen Betrieben umgesetzt
werden, die im Sinne des 'push-and-pull' sowohl die Alternativen
zum Auto verbessern wie auch über eine mögliche Parkraumbewirtschaftung
mehr Bewußtsein über die Kosten einer täglichen
Autofahrt zur Arbeit verstärken sollten. Im Vordergrund des
Projektes standen nach dem Prinzip "Klasse statt Masse
die Methoden zur umweltfreundlicheren Abwicklung des Berufsverkehrs.
Entsprechend dem Anspruch der life -Ausschreibung
sollte den Wachstumsprognosen im Verkehrsbereich eine Strategie
entgegengesetzt werden, die auf Umdenken und Verhaltensänderungen
setzt. Das Projekt verknüpfte über seine gesamte Laufzeit
technische und organisatorische Elemente mit Methoden der Information,
Aufklärung und Beratung.
Dieser Ansatz "Entwicklung einer
Strategie, die den Wachstumsprognosen im Verkehrsbereich Umdenkensmodelle
und Verhaltensänderungen entgegensetzt wurde im Projekt
move erfolgreich mit dem vorliegenden Ergebnis umgesetzt.
Die Projektpartner Büro für Verkehrsökologie und
StadtAuto werden mit der im Projekt move entwickelten
Dienstleistung "FahrgemeinschaftsService" das Projekt
marktwirtschaftlich fortsetzen. Neben dem bereits kooperierenden
Unternehmen Karft-Jacobs-Suchard und der Brauerei Beck & Co.
haben weitere Bremer Unternehmen ihr Interesse an der unabhängig
und betriebsextern angebotenen Dienstleistung der Mobilitätsberatung
erklärt.
Wir haben es nicht primär mit einem
"technischen Problem des Umweltschutzes zu tun, vielmehr
verlangt die Vielzahl von Akteuren in diesem Feld nach einer Kombination
von Überzeugungsarbeit und auch attraktiven Alternativen.
Betriebe und deren Mitarbeiter müssen in einem komplizierten
Geflecht von Mitbestimmungsverfahren, Betriebsvereinbarungen,
dem "Betriebsklima, auch sozialen Erwartungen, finanziellen
Anreizen, technischen Alternativen und dem "Umweltgewissen
angesprochen werden. Der sich hieraus ergebende sehr hohe Anteil
an Verhandlungen mit Betrieben, Betriebsräten hat einen deutlich
höheren Aufwand an Beratung notwendig gemacht als vorher
angedacht war.
Im Projektzeitraum wurde bei der Firma
Kraft Jacobs Suchard für alle Arbeitnehmer das Jobticket
als Teil tarifvertraglicher Leistungen eingeführt. Zusätzlich
wurden im Rahmen der move-Aktivitäten den Arbeitnehmern
auf Wunsch 'persönliche Fahrpläne' mit den Verbindungen
und Fahrzeiten zwischen Wohnung und Arbeit kostenfrei erstellt.
Dieses Angebot wurde durch das move-Projekt auch
in der dem KJS-Stammhaus benachbarten Brauerei Beck & CO zur
Diskussion gebracht.
Dieses Angebot zur ÖPNV-Nutzung
ist allerdings nur begrenzt interessant für Arbeitnehmer
mit unbefriedigenden ÖV-Verbindungen (z.B. aufgrund des Wohnstandortes,
von Arbeitszeiten außerhalb der ÖV-Bedienung etc.).
Auch die Alternative Fahrrad hat mit einem modal-split-Anteil
von 22% in Bremen aufgrund der faktisch begrenzten räumlichen
Einzugsbereiche nur noch begrenzte Erweiterungsmöglichkeiten.
Deshalb wird im Projekt move
vor allem auch die Möglichkeit der Fahrgemeinschaftsvermittlung
weiter entwickelt.
Die Option von Fahrgemeinschaften kann
daran veranschaulicht werden, daß z.B. die Berufspendler
in Bremen in den PKW über etwa 10mal soviel Sitzplätze
verfügen als die Gesamtzahl der ÖV-Einpendler beträgt!
Wie in vielen anderen Städten wären bei Beschränkungen
des PKW-Verkehrs (z.B. bei hoher Schadstoffbelastung) die öffentlichen
Verkehrsmittel von den Kapazitäten her nicht in der Lage,
die Wirtschaftsfähigkeit zu gewährleisten.
Parallel zur Einführung der Fahrgemeinschaftsvermittlung
wurde - erstmalig in Deutschland - sowohl für Fahrgemeinschaftsteilnehmer
als auch für Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel
als innovative Dienstleistung die garantierte Heimfahrt bzw. Mobilitätsgarantie
eingeführt. Dabei dürfen die Beschäftigten bei
unvorhergesehenen Problemen mit der "organisierten"
Fahrt (z.B. Krankheit des Fahrers, unvorhersehbare Überstunden,
etc.) auf Arbeitgeber Kosten des Arbeitgebers individuelle Mobilitätsdienstleistungen
(vor allem Taxi) nutzen. Hiermit sollte ein Hemmnis der Fahrgemeinschaft,
nämlich die als gering empfundene Flexibilität, überwunden
werden.
Das Projekt hat gezeigt, daß erst
durch eine deutliche Vergrößerung der Interessentenzahlen
hin zu einer "kritischen Masse Fahrgemeinschaftsvermittlungen
in nennenswertem Umfang möglich werden. Dieses gilt um so
mehr, wenn Mehrschichtregelungen und flexible Arbeitszeitregelungen
zusammentreffen. Hieraus ergibt sich die Notwednigkeit einer betriebsübergreifenden
Mobilitätsberatung. Mit einer derartigen unabhängigen
Dienstleistung können dann auch Klein- und Mittelunternehmen
in die Mobilitätsberatung eingebunden werden.
Von daher wurden mit weiteren Partnern
aus der Wirtschaft Verhandlungen geführt. Die Entscheidungsfindung
der angesprochenen Partner stellt einen erheblichen Zeitfaktor
dar. In die Verhandlungen und Abstimmungen müssen immer
neben der Geschäftsleitung und Personalabteilung auch die
Betriebsräte eingebunden sein. Bei bis zu 14 verschiedenen
Betriebsräten in einer einzigen Firma - wie im Falle von
Kraft Jacobs Suchard - sind hier allein für Terminabstimmungen
erhebliche Zeitanteile fest gebunden. Oftmals bestehen in diesem
Feld zudem Betriebsvereinbarungen oder tarifliche Regelungen,
deren Laufzeiten zu beachten sind. Hieraus erklärt sich auch,
daß die Firma Kraft Jacobs Suchard ein weitaus größeres
Zeitkontingent in das Projekt move einbringen mußte
als vorher geplant war. Auch die anderen Projektpartner mußten
ihren Anteil für Verhandlungs- und Beratungsaktivitäten
deutlich vergrößern.
Als eine Erfahrung aus dem Projekt move
kann abgeleitet werden, daß einerseits zwar von vielen Beteiligten
in Wirtschaft, Arbeitnehmervertretung und Politik eine Notwendigkeit
für eine Mobilitätsberatung mit dem Ziele der Verminderung
des Autoverkehrs betont wird, jedoch andererseits insgesamt wenig
Initiativen für eine Umsetzung in den Betrieben oder für
eine politische Änderung der Rahmenbedingungen nachhaltig
betrieben werden.
Über die gesamte Projektdauer wurde
der Austausch mit anderen Städten gesucht, initiiert und
gepflegt. Eine besondere Rolle spielte hierbei vor allem das
Städtenetzwerk Car Free Cities - Netzwerk für neue
Mobilitätskultur - speziell die Arbeitsgruppe 'Commuting'
- aber auch der unmittelbare Kontakt mit dem Parallelprojekt in
Berlin-Moabit und ebenso mit Kalifornien (Southern California
Association of Governments zuvor Commuter Transportation Services).
Im Vergleich der Projekterfahrungen
wurden die strukturellen Probleme der Mobilitätsberatung
im betrieblichen Bereich sehr deutlich.
Die weitgehende Externalisierung der
Umweltfolgekosten des Berufsverkehrs und die derzeit wenig förderlichen
legislativen, administrativen und fiskalischen Rahmenbedingungen
(z.B. im Vergleich zu den Bestimmungen des California Clean Air
Act) schaffen für derartige Projekte in Deutschland - aber
auch einigen anderen europäischen Ländern - zum gegenwärtigen
Zeitpunkt keinen Rahmen für eine große Eigendynamik.
Gerade deshalb wurden im Projekt auch Quervergleiche zu den Rahmenbedingungen
andernorts angestellt, um hieraus Weiterentwicklungen zu ermöglichen.
Auch die Betriebskosten des Autos werden
oftmals nicht in einem Maße wahrgenommen, daß sich
hierdurch ein deutlicher Anreiz für Fahrgemeinschaften oder
eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergibt. Die
im deutschen Steuerrecht enthaltene Möglichkeit, die Fahrt
zur Arbeit mit dem PKW steuerlich absetzen zu können ("Kilometerpauschale),
wirkt sehr kontraproduktiv für eine Entlastung der Umwelt.
Aber auch firmenintern haben diese Projekte
nicht die höchste Priorität (shareholder value) und
mußten deshalb zeitweise anderen Entwicklungen deutlich
untergeordnet werden.
Als ein wesentliches Problem stellt sich die Bewirtschaftung
von Stellplätzen dar. Einerseits sind hiermit besondere Emotionen
verbunden, die sich in besonders schwierigen Diskussionen manifestieren.
Andererseits bestehen oftmals technische oder organisatorische
Probleme mit einer Umnutzung von Stellplätzen. Die Erfahrungen
mit einer Parkraumbewirtschaftung zeigen jedoch, daß hiermit
ein sehr effizientes Begleitinstrument besteht. Dieses ist für
die Rahmensetzung in Verwaltung und Politik ein wichtiger Aspekt.
Die baurechtliche Forderung nach umfangreicher Stellplatzvorhaltung
wirkt sehr kontraproduktiv, ebenso die steuerrechtliche Begünstigung
der Anreise mit dem Auto zur Arbeit. Die Frage, inwieweit kostenfreies
oder -ermäßigtes Parken eine geldwerte (und damit eigentlich
steuerpflichtige) Leistung des Arbeitgebers darstellt, ist berechtigt
und wird in neueren Strategien in Großbritannien und sogar
in den USA ('parking cash-out') aufgenommen. Eine stärkere
Parkraumbewirtschaftung würde deutlich zur Effizienzsteigerung
der betrieblichen Mobilitätsberatung bzw. betrieblicher Mobilitätskonzepte
beitragen. Dieses ist aber gleichzeitig von kommunaler Seite nur
in geringem Maße beeinflußbar.
Von der Entwicklung dieser Rahmenbedingungen
wird es wesentlich abhängen, wie sich die Belastung der Städte
durch den Berufsverkehr entwickeln wird und damit auch welchen
Umsetzungsgrad die hier entwickelte Dienstleistung in den nächsten
Jahren erfahren wird. Mit diesem Projekt konnte ein wichtiger
Schritt in der Entwicklung dieses Instrumentariums gemacht werden.
Das Projekt hat sich gegenüber
dem ursprünglichen Ansatz deutlich weiterentwickelt. Zum
einen hat die Notwendigkeit einer betriebsübergreifenden
unabhängigen Dienstleistungsinstitution - ähnlich wie
in Nottingham - an Deutlichkeit gewonnen, zum anderen haben sich
mit der technischen Entwicklung im Kommunikationsbereich (z.B.
Verbreitung der on-line-Computer-Verbindungen, Rolle des Internet
etc.) neue Optionen aufgezeigt, die auch in das nun vorliegende
Produkt 'marktreif' eingebaut werden konnten. Die gesammelten
Erfahrungen und technischen Möglichkeiten konnten - wie auf
der CD ROM zu sehen ist - zu einem im europäischen Maßstab
weiterverwendbaren Modul zusammengeführt werden. Es wird
mit diesen technischen Möglichkeiten anschaulicher als mit
einem Handbuch, den Entwicklungsstand der Mobilitätsberatung
interaktiv zu demonstrieren.
Deshalb enthält diese Demonstrationsversion
die im Rahmen des Projektes entwickelten Vermittlungssoftware
zum Ansehen und Ausprobieren.
Die marktreife Entwicklung der betriebsübergreifenden
Vermittlungssoftware mit dem konkreten geografischen Modell der
Region Bremen (s.a. CD ROM) konnte - als Ergänzungsbaustein
zu den ursprünglichen Aktivitäten - im Frühjahr
1998 fertiggestellt und bereits im Mai 1998 bei der Generaldirektion
XI in Brüssel präsentiert werden. Diese EDV-gestützte
Dienstleistung ist auch auf andere Städte und Regionen übertragbar.
Leider konnten aufgrund der nur bis zum April 1998
gewährten Projektlaufzeit die Ergebnisse nicht, wie ursprünglich
vorgesehen, im Rahmen einer eigenen Tagung präsentiert werden.
Der hierfür vorgesehene Finanz- und Zeitanteil ist nicht
abgerufen worden. Es konnte jedoch im Mai 1998 eine Präsentation
innerhalb der Generaldirektion Umweltschutz erfolgen, die zu interessanten
Diskussionen geführt hat.
Die ebenfalls angedachte Idee einer
Gemeinschaftstagung mit dem Berliner life-Projekt konnte in diesem
Terminrahmen leider nicht realisiert werden. Jedoch wurden die
Projektergebnisse auf der Abschlußtagung des Berliner Projekts
im Juli ausführlich präsentiert und diskutiert. In diesem
Rahmen wurde insbesondere der Weiterentwicklung des Projekts zu
einer neuen Dienstleistung "FahrgemeinschaftsService"
eine große Aufmerksamkeit zuteil.
Mit der Entwicklung der betrieblichen
Mobilitätsberatung zur Marktreife liegt ein erprobtes Produkt
vor. Durch die für Unternehmen betriebswirtschaftlich attraktive
Kostenseite stehen die Chancen für eine Umsetzung im "Echtbetrieb
gut. Damit ist es möglich eine Entlastung der Städte
von Berufsverkehrsemissionen und von Flächenverbrauch umzusetzen.
Aufgrund der besonderen Funktion des
Berufsverkehrs für eine möglichst umweltverträgliche
Stadtentwicklung sind die Ergebnisse dieses Projektes sehr wichtig,
sowohl um für eine Revitalisierung von bestehenden Gewerbegebieten
als auch in der Lokalisierung und Gestaltung neuer Gewerbegebiete
die Aspekte der Mobilitätsbewältigung stärker als
bisher zu berücksichtigen.
Die Europäische Kommission ist
mit dem 'greenhouse-keeping'-Verpflichtungen ebenfalls bemüht,
die hohen Belastungen durch den Berufsverkehr der eigenen Mitarbeiter
zu vermindern. Mit dem großen Anteil an 'white-collar'-Angestellten
und dem sehr großen EDV-Vernetzungsgrad hat die Kommission
auch besonders günstige Ansatzpunkte für eine Fahrgemeinschaftsvermittlung.
Gleichzeitig haben sich aber auch die hemmenden Auswirkungen der
Rahmenbedingungen und ähnliche technische Umsetzungsprobleme
(z.B. Sicherheitsbedenken bei einer Umnutzung von Stellplätzen
etc.) gezeigt.
Es ist mit dem Projekt move
gelungen, in gemeinsamer Anstrengung der Stadt Bremen, des Büros
für Verkehrsökologie und StadtAuto Bremen sowie den
Unternehmen Kraft Jacobs Suchard und Beck & Co. eine unabhängige
Dienstleistung mit dem notwendigen technischen Hintergrund zu
entwickeln und marktreif zu machen.
2. Das Projekt move
und die Rahmenbedingungen
3. Das Projekt move -
Entwicklung einer Dienstleistung als innovatives Marktangebot